DER GRÜNE KANAL VOM 10.03.10
Wednesday, 10.03.2010 - 15:00 (3sat)
Und ewig lockt das Öl
Chinas Griff nach Afrika
Film von Frank Sieren und Winfried Schnurbus
Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat ein globaler Wettlauf um die Märkte und Ressourcen Afrikas begonnen. Während die G8-Staaten um Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung des Kontinents ringen, verdrängt China mit Milliardeninvestitionen und konkurrenzlos billigen Krediten die alten Kolonialmächte aus Afrika. Mit offensiver Entwicklungshilfe, geschickter politischer Taktik und strategischer Partnerschaft sichert sich das Reich der Mitte die Gunst der armen Länder, erschließt sich Rohstoffquellen, Zukunftsmärkte und Einfluss. "Nun haben wir die Wahl zwischen Asien und dem Westen", sagt einer der einflussreichsten Politiker Afrikas, Olusegun Obansanjo, von 1999 bis 2007 demokratisch gewählter Präsident Nigerias, dem bevölkerungs- und ölreichsten Land des Kontinents. "Das ist unsere historische Chance." EU-Politiker befürchten, dass moralische Standards und demokratische Errungenschaften durch die Angebote der Chinesen unterlaufen werden könnten. Nicht nur der Zugang zu knappen Ressourcen geht dem Westen verloren. Deutsche Bauunternehmer zum Beispiel spüren den neuen Wettbewerb täglich: Jahrzehntelang waren sie eine feste Größe auf dem Kontinent, nun müssen sie gegen Chinesen bieten, gegen deren staatlich subventionierte Angebote sie nicht ankommen. Die Chinesen bauen Straßen, Eisenbahnnetze und ganze Städte. Schnell und unbürokratisch stellen sie Geld zur Verfügung und bringen die Facharbeiter gleich mit. Acht Milliarden US-Dollar wird Peking allein in das Schienennetz Nigerias investieren. Der Lohn: Zugang zum Öl und zu den Märkten Afrikas. Nach Angola schicken die Chinesen gleich vier Millionen Arbeitskräfte, um Infrastruktur aufzubauen, in den Sudan liefern die Chinesen auch Waffen und technisches Know-how zu Dumpingpreisen. Dazu gehört auch Technologie, die ihnen die Deutschen in China überlassen haben. Ein Drittel der sudanesischen Ölförderung - zehn Prozent des chinesischen Gesamtbedarfs - geht bereits nach China.